Marketerie: was sie ist, wie sie entsteht und woran man ein handgefertigtes Stück erkennt
Marketerie setzt Bilder aus dünnen Holzfurnieren verschiedener Farben zusammen. Herstellung, Unterschied zur Intarsie und Pflege eines Stücks.
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Von Tiago Reis, Mitgründer von Ra-Ro · Profil ansehen
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Marketerie ist die Kunst, Bilder aus dünnen Holzfurnieren in verschiedenen Farben und Maserungen zusammenzusetzen, die ausgeschnitten, wie ein Puzzle zusammengefügt und auf einen Träger geklebt werden. Sie unterscheidet sich von der Einlegearbeit in Massivholz, der Intarsie im engeren Sinn, bei der Massivholz ausgehoben wird, um andere Teile einzusetzen. Im Französischen heißt sie marqueterie, und in Frankreich wurde sie ab der Mitte des 17. Jahrhunderts an den Möbeln für die Schlösser Ludwigs XIV. berühmt.
Marketerie kurz erklärt
- Was es ist: ein Bild aus Holzfurnieren, auf einen Träger geklebt.
- Das Wort: vom französischen marqueter, einer Fläche bunte Farben geben.
- Hauptunterschied: Marketerie klebt Furniere auf die Oberfläche; die Einlegearbeit in Massivholz setzt Teile ins Holz ein.
- Geschichte: Wiederbelebung in Florenz und Neapel im 16. Jahrhundert, in Frankreich ab der Mitte des 17. Jahrhunderts.
- Bei Ra-Ro: Bilder und Kästchen von Jacky Cavallari, ausgebildet an der École Boulle in Paris.
Wie Marketerie entsteht
- Entwurf: der Künstler zeichnet die Komposition und entscheidet, welches Holz wohin kommt, nach Farbe und Maserung.
- Furniere: gewählt werden sehr dünne Blätter verschiedener Holzarten. Die Farbpalette ist das Holz selbst.
- Schneiden: früher mit dem Messer, eine langsame Arbeit; heute arbeiten viele mit der Laubsäge. Schneidet man zwei übereinandergelegte Furniere auf einmal, entstehen zwei spiegelbildliche Kompositionen, im Französischen partie und contre-partie.
- Schattieren: für mehr Tiefe wird ein Teil eines Stücks einige Sekunden in heißen Sand getaucht. Das Holz dunkelt allmählich nach und das Bild gewinnt Plastizität.
- Zusammensetzen: die Teile werden ineinandergefügt und auf den Träger geklebt.
- Oberfläche: geschliffen und geschützt, damit Maserung und Farbe zur Geltung kommen.
Marketerie, Einlegearbeit und Intarsie: der Unterschied
- Marketerie: dünne Furniere auf einem Träger. Das ganze Motiv liegt an der Oberfläche.
- Einlegearbeit: ein Stück Massivholz wird ausgehoben und ein anderes Holz oder Material eingesetzt. Es ist die ältere Technik.
- Einlagen aus anderen Materialien: dasselbe Prinzip, oft mit Perlmutt, Knochen oder Metall.
- Intarsia: der italienische Name der Einlegearbeit in Holz. Sie blühte in Norditalien im 15. und 16. Jahrhundert, an Chorgestühlen und im Studiolo des Herzogspalasts von Urbino. Ab etwa 1620 löste die Marketerie sie in der feinen Kunsttischlerei weitgehend ab.
- Boulle-Marketerie: ein französischer Stil mit Schildpatt, Messing und Zinn statt Holz, verbunden mit André-Charles Boulle.
Woher die Marketerie kommt
Einlegearbeiten gab es schon in der Antike, in Sumer und Ägypten, und die Römer beherrschten die Technik, wie Funde aus Pompeji und Herculaneum zeigen. Die Furnier-Marketerie lebte im 16. Jahrhundert in Florenz und Neapel wieder auf und entwickelte sich auch in Antwerpen und anderen flämischen Zentren. Nach der Mitte des 17. Jahrhunderts kam sie nach Frankreich, wo sie Möbel für die Schlösser Ludwigs XIV. schmückte. Pierre Gole und sein Schwiegersohn André-Charles Boulle gehörten zu den ersten großen Meistern.
Boulles Name lebt in einer Schule weiter: Die École Boulle, 1886 in Paris gegründet, lehrt bis heute Marketerie unter ihren Holzhandwerken.
Jacky Cavallari und die Marketerie bei Ra-Ro
Jacky Cavallari wurde an der École Boulle ausgebildet und gehört heute zu den wenigen lebenden Meistern der Marketerie. Bei Ra-Ro gibt es zwei Familien seiner Arbeiten: Bilder zum Aufhängen und Kästchen für Kostbares.
- Vogelbilder: das Bild Wiedehopf (93,30 €) zeigt den Vogel auf einem Ast, das Holz bildet das Gefieder.
- Botanische Bilder: das Bild Lavendel (40,90 €) ist der Einstieg. Das Marketerie-Set Komplett (147,24 €) vereint die Bilder Ginkgo Biloba, Wacholderbeere, Orangenblüte und Lavendel, 10 % günstiger als einzeln.
- Kästchen: das Kästchen Zistrose (99,20 €) trägt die weiße Blüte der Hügel auf dem Deckel, das Kästchen Kolibri (240,90 €) zeigt einen Kolibri mit offenen Flügeln.
- Zwei Kästchen: das Marketerie-Set: Botanische Kästchen (149,22 €) vereint das Kästchen Lavendel und das Kästchen Orangenblüte, ebenfalls 10 % günstiger.
Ideen, wo diese Stücke wirken, finden Sie in Wie man mit portugiesischem Kunsthandwerk einrichtet.
Woran man handgefertigte Marketerie erkennt
- Echte Maserung: jedes Teil hat seine eigene Maserung und seinen eigenen Ton. Bei einer gedruckten Nachahmung wiederholt sich das Muster oder wirkt überall gleich.
- Fugen: aus der Nähe sieht man die Verbindungen zwischen den Teilen, fein, aber echt.
- Licht: neigt man das Stück, reflektiert jedes Furnier das Licht anders, weil die Maserung jeweils in eine andere Richtung läuft.
- Weicher Verlauf: die Schattierung mit heißem Sand geht ohne harte Linie von hell zu dunkel über.
- Ein bekannter Urheber: ein handgefertigtes Stück hat jemanden, der es signiert und erklären kann, wie es entstand. Mehr dazu in Was ein Stück selten macht.
Wie man Marketerie pflegt
- Keine direkte Sonne: starkes Licht verändert mit der Zeit die Farbe des Holzes und schwächt den Kontrast des Motivs.
- Fern von Wärme und Feuchtigkeit: Heizkörper, Kamine und Bäder lassen das Holz arbeiten und können Furniere anheben.
- Staub: ein weiches, trockenes Tuch genügt. Viel Wasser und Mittel mit Alkohol oder Silikon vermeiden.
- Glanz: vor Wachs oder Öl prüfen, welche Oberfläche das Stück hat.
- Kästchen: den Deckel behutsam öffnen und nicht beschweren.
Häufige Fragen
Was ist Marketerie?
Die Kunst, Bilder aus dünnen Holzfurnieren in verschiedenen Farben zusammenzusetzen, die ausgeschnitten, wie ein Puzzle gefügt und auf einen Träger geklebt werden.
Was ist der Unterschied zwischen Marketerie und Intarsie?
Bei der Marketerie werden Furniere auf die Oberfläche eines Trägers geklebt. Bei der Intarsie im engeren Sinn wird Massivholz ausgehoben und ein anderes Holz oder Material eingesetzt. Im Deutschen nennt man beides oft Intarsien.
Woher kommt die Intarsia?
Aus Italien. Sie blühte in Norditalien im 15. und 16. Jahrhundert und wurde ab etwa 1620 in der feinen Kunsttischlerei weitgehend von der Marketerie abgelöst.
Was ist Boulle-Marketerie?
Ein französischer Stil, verbunden mit André-Charles Boulle, der Schildpatt, Messing und Zinn statt Holz kombiniert, oft in Arabesken oder Blattmotiven.
Wie reinigt man Marketerie?
Mit einem weichen, trockenen Tuch. Viel Wasser, Mittel mit Alkohol oder Silikon, direkte Sonne und Wärmequellen vermeiden.
Wo kann man handgefertigte Marketerie kaufen?
Bei Ra-Ro, mit Bildern und Kästchen von Jacky Cavallari, ausgebildet an der École Boulle, ab 40,90 €.
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